Das Ding mit der Ambivalenz
Manchmal
passen zwei Gedanken
gleichzeitig in einen Kopf,
obwohl sie sich gegenseitig zerstören.
Ich will leben.
Und gleichzeitig verschwinden.
Ich will,
dass endlich jemand sieht,
wie schlecht es mir geht.
Und im nächsten Moment
möchte ich unsichtbar werden.
Ich habe Hunger.
Richtigen Hunger.
Auf Pasta,
auf Erdbeeren,
auf einen Abend ohne Kontrolle.
Und dann kommt sofort die Stimme,
die zählt,
verbietet,
schuldig macht.
Ich wünsche mir Nähe.
Eine Umarmung.
Ein „Ich bleibe.“
Doch sobald mir jemand zu nah kommt,
möchte ich fliehen.
Ich plane Zukunft.
Wohnungen.
Neuanfänge.
Farben an Wänden.
Und keine fünf Minuten später
bin ich überzeugt,
dass ich sowieso keine Zukunft habe.
Das ist Ambivalenz.
Nicht „einfach nur unsicher“.
Es ist Krieg
zwischen Gedanken,
die alle gleichzeitig echt sind.
Ein Teil von mir
möchte gesund werden.
Ein anderer
kennt nichts anderes
als Schmerz.
Und manchmal
macht genau das
so müde:
dieses ständige Schwanken
zwischen
„Ich schaffe das“
und
„Ich kann nicht mehr.“
Aber vielleicht bedeutet Ambivalenz auch,
dass da noch etwas kämpft.
Denn wer vollkommen aufgegeben hat,
führt keine inneren Diskussionen mehr.