Der Mut, morgens aufzustehen

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Der Mut, morgens aufzustehen

Es gibt Morgen,
da fühlt sich schon das Öffnen der Augen
an wie ein Versprechen,
das ich nie gegeben habe.

Die Decke kennt meinen Namen.
Das Kissen kennt jede Träne,
die ich nachts sorgfältig versteckt habe,
als könnte Dunkelheit sie verschlucken.

Der Tag wartet nicht.
Er klopft nicht einmal.
Er steht einfach vor der Tür,
mit all den Fragen,
auf die ich keine Antworten habe.

Und manchmal
ist Zähneputzen schon ein Gipfel.
Duschen ein Marathon.
Die Kaffeemaschine
der erste Mensch,
dem ich begegne.

Kaum jemand sieht,
wie viel Kraft es kostet,
die Füße auf den Boden zu setzen,
wenn der Kopf
noch immer zwischen gestern
und irgendeiner Angst von morgen hängt.

Sie sehen nur,
dass ich aufgestanden bin.

Nicht,
wie oft ich vorher
innerlich wieder hingefallen bin.

Doch vielleicht
ist Mut gar nicht dieses große Wort,
das auf Bühnen gesprochen wird,
mit Applaus
und geradem Rücken.

Vielleicht ist Mut
ein verwühltes Bett,
das trotzdem zurückbleibt.

Eine Hand,
die nach der Türklinke greift,
obwohl sie zittert.

Ein Mensch,
der sagt:
Heute schaffe ich nur das Nötigste.

Und genau das
ist genug.

Denn ich habe Tage überlebt,
von denen ich dachte,
sie würden mich verschlucken.

Ich habe Nächte ausgehalten,
die kein Ende finden wollten.

Ich habe Hoffnungen getragen,
obwohl sie sich
nur noch federleicht anfühlten.

Also stehe ich auch heute auf.

Nicht,
weil alles wieder gut ist.

Sondern,
weil irgendwo zwischen Schlaf
und Sonnenaufgang
noch immer dieser kleine Satz wohnt:

Vielleicht wird heute
ein bisschen leichter als gestern.

Und manchmal
reicht dieses Vielleicht,
um beide Füße
auf den Boden zu stellen.

Der Rest
darf unterwegs entstehen.