Die Müdigkeit nach dem Überleben
Sie sagen,
ich hätte es geschafft.
Sie sehen,
dass ich wieder Pläne mache.
Dass ich lache.
Dass ich einkaufen gehe.
Dass ich Kisten packe.
Dass ich langsam
zurück ins Leben finde.
Was sie nicht sehen:
Wie müde Überleben macht.
Monatelang
hat mein Körper Alarm geschlagen.
Mein Herz kannte nur Flucht.
Mein Kopf nur Gedanken,
die niemals Pause machten.
Ich habe funktioniert,
als längst nichts mehr ging.
Und jetzt,
wo die Gefahr langsam vorbeizieht,
meldet sich etwas anderes.
Die Erschöpfung.
Nicht die eines langen Tages.
Sondern die Müdigkeit
von unzähligen Kämpfen,
die niemand gesehen hat.
Mein Körper fordert zurück,
was er so lange aufgeschoben hat.
Ruhe.
Nicht,
weil ich aufgebe.
Sondern,
weil ich bleiben möchte.
Manchmal frage ich mich,
warum ich nicht einfach glücklich bin.
Doch Heilung ist kein Ziel,
das man erreicht
und dann abhakt.
Sie ist ein langsames Erwachen.
Mit Tagen,
an denen Hoffnung größer ist als Angst.
Und mit Tagen,
an denen schon das Aufstehen
eine ganze Geschichte erzählt.
Ich lerne,
dass Müdigkeit
nicht bedeutet,
dass ich wieder falle.
Vielleicht bedeutet sie nur,
dass ich endlich an einem Ort angekommen bin,
an dem mein Körper sich traut,
loszulassen.
Nach all den Monaten
des Überlebens.
Und vielleicht
ist genau das
der Beginn
eines echten Lebens.