Es war kurz vor Zwölf

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Es war kurz vor Zwölf

Es war kurz vor zwölf.

Nicht auf der Uhr,
sondern irgendwo tief in mir.

Ich erinnere mich an Bruchstücke.
An Gesichter.
An Fragen.
An einen Körper,
der mir plötzlich fremd wurde.

Die ersten zwei Tage
liegen hinter einem Schleier.
Als hätte jemand Watte
zwischen mich und die Welt gelegt.

Noch heute ist mein Kopf nicht ganz zurück.
Die Übelkeit kommt in Wellen.
Manchmal verschwimmt mein Blick,
und ich frage mich,
ob ich mir selbst noch trauen kann.

Das Zittern ist gegangen.
Die Angst ist geblieben.

Ich habe Glück gehabt.
Ein blaues Auge –
mehr nicht.

Und trotzdem hat etwas Spuren hinterlassen.

Die Müdigkeit,
die ich so mühsam auf Abstand gehalten habe,
steht wieder vor meiner Tür.

Sie erinnert mich daran,
wie zerbrechlich alles sein kann.
Wie schnell ein Moment der Unachtsamkeit
genug ist,
um mich aus der Bahn zu werfen.

Jetzt lerne ich neu.

Auf meinen Körper zu hören.
Auf die Signale,
die ich so leicht übersehe.

Genug zu trinken.
Pausen zu machen.
Mich wichtig zu nehmen.

Doch wie gelingt das,
ohne ständig Angst zu haben?

Wie nehme ich dieses Medikament wieder ein,
ohne jedes Mal den Atem anzuhalten?

Wie finde ich zurück
zu dem Vertrauen in mich selbst?

Vielleicht nicht auf einmal.

Vielleicht beginnt Vertrauen
mit einem Glas Wasser.
Mit einer Erinnerung im Handy.
Mit Menschen,
die nachfragen.

Vielleicht beginnt Vertrauen damit,
mir zu erlauben,
vorsichtig zu sein –
ohne mich von der Angst führen zu lassen.

Es war kurz vor zwölf.

Aber es war nicht zu spät.

Ich bin noch hier.

Und diesmal achte ich besser auf mich.
Nicht aus Angst.
Sondern weil ich es wert bin.